Weinbergbunker
Nachlese unserer Besichtigung
Am Samstag, 13.09. starteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Ortsgruppe zu einer Führung durch den Weinbergbunker in Kassel.
Die Geschichte des Berges, in den der Bunker mit einem Labyrinth von Gängen gebaut wurde, findest du am Ende unserer Nachlese.
Bereits 1942 wurden die ehemaligen Bierkeller im Felsen unter dem Weinberg zu einem Luftschutzbunker, der Platz für bis zu 10.000 Menschen bot, umgebaut.
Aufgrund der Rüstungsproduktion u.a. der Henschel-Werke (Panzer- und Flugzeugmotoren), wurde Kassel im Zweiten Weltkrieg bombardiert. Am 22. Oktober 1943 warfen 444 Flugzeuge von 20.49 Uhr – 21.11 Uhr 416.856 Brandbomben ab. Hinzu kamen noch 594 Sprengbomben und 288 Luftminen.
80 % der Häuser in Kassel wurden zerstört, tausende Menschenleben zu beklagen, kein Stein blieb auf dem anderen, ein Feuersturm tobte durch die Gassen der Altstadt. Der Feuerschein war noch in 50 km Entfernung zu sehen.
Der Feuersturm rettete jedoch vielen Menschen im Bunker das Leben, weil Frischluft in den Bunker gepresst wurde. Ohne diese hätte es zig Erstickungstote gegeben, denn es gab nur eine begrenzte Lüftung, die außerdem z.T. elektrisch betrieben wurde und bei Stromausfall nicht funktionierte. Alternativ betrieben die im Bunker Schutzsuchenden einen Dynamo, der von einem riesigen Rad per Hand angetrieben wurde.
Kassel war nach diesem Angriff nicht mehr dieselbe Stadt: 85 Prozent der Wohnungen und 65 Prozent der Industrieanlagen waren zerstört. Die Opferzahlen wurden mit bis zu 10.000 Toten angegeben sowie unzählige Verletzte. Das Ausmaß des körperlichen und seelischen Leides in jener Bombennacht ist aus heutiger Sicht unvorstellbar
Herr S. vom Feuerwehrverein führte uns durch den Bunker, er erzählte von Menschen, die das Inferno als Kinder überlebt und heute noch im Alter als letzte Zeitzeugen davon berichteten, die nach der Zerstörung nur das besaßen, was sie am Leibe trugen, die bis zu 1,5 Jahren in dem Bunker lebten, weil sie in der zerstörten Stadt keine Bleibe fanden. Seine Schilderungen waren so drastisch – untermalt von Sirenengeheul sowie das Krachen der einschlagenden Bomben – und wiederum auch einfühlsam, man hatte zeitweise das Gefühl, Teil dieser Geschehnisse zu sein.
U.a. gab es eine Klinik im Bunker, in der auch operiert wurde. Hier wurden auch Kinder geboren, ein kleines Mädchen kam nach dem verheerenden Angriff, kurz vor Mitternacht zur Welt. Die unvorstellbare Enge und schlechte Luft im Bunker, bis zu 8 Personen in Doppelstockbetten überlebten auf 1 qm die Bombenangriffe, aber auch hier gab es Tote. Nach dem Krieg wurde die Anlage unterschiedlich genutzt.
In der Diskussion, im Anschluss an unser gemeinsames Essen, plädierten einige von uns dafür, viel mehr jungen Leuten diese Situation direkt vor Augen zu führen.
Einig waren wir uns: „wir möchten so etwas nie erleben, nie wieder Krieg!“
Die Geschichte des Weinbergs
Bereits im 13 Jahrhundert wurde der Weinberg zum Weinanbau genutzt, bereits im 16./17. JH wieder aufgegeben, da die Qualität des Weines nicht besonders gut war. In der Folgezeit wurde das Gelände als Gärten unterschiedlicher Art genutzt.
Von 1825 – 1901 gab es verschiedene Gartenlokale.
1868 – 1870 baute der Lokomotiv-Fabrikant Henschel die erste Villa auf dem Weinberg, den er durch weitere Ankäufe 1897 – 1901 vergrößerte.
Nachdem an der Frankfurter Straße 1903 die riesigen Stützbogenmauern errichtet waren, wurde auf dem westlichen Weinberg das Haus Henschel, eine riesige Villa, gebaut.
Bedingt durch die Rüstungsproduktion der Henschelwerke (Panzer- und Flugzeugmotoren), wurde Kassel im Zweiten Weltkrieg bombardiert. Auch die beiden Henschel-Villen sind im Krieg zerstört worden, stehen geblieben ist ein östlich davon gelegenes Haus für die Bediensteten. Dieses wurde 1992 Museum für Sepulkral Kultur.
Die Kalksteinfelsen des Weinbergs sind mit Stollen und Gängen durchzogen. Sie wurden als Bierkeller im Felsen unter dem Weinberg genutzt. Bei unserer Führung erfuhren wir mehr, wir kamen in einen Raum, der im unteren Bereich abgemauert und von einer riesigen, aus dem Fels gehauenen Kuppel überbaut war – wie ein Dom. In diesem Saal wurde das Eis für die Brauereien gelagert. In früheren Zeiten war die Fulda im Winter meist zugefroren, hier wurden große Eisblöcke aus dem Eis gehauen und in den nahegelegenen Weinberg transportiert. Diese Eisblöcke mussten über eine lange, sehr steile Treppe nach ganz oben geschleppt werden und wurden dann durch eine Öffnung unterhalb der Decke geworfen. So gelangte das Eis dann in die riesige Halle und von den Eishauern (ein erlernter Beruf) in dem großen Kuppelsaal gelagert. Diese jungen Menschen arbeiteten bis zu 18 Stunden täglich (sie waren regelrecht im Berg eingesperrt) , die meisten wurden nicht einmal 30 Jahre alt.
1942 wurden dann die Bierkeller zu einem Luftschutzbunker umgebaut – und hier schließt sich der Kreis.