Ein Tag in Bad Karlshafen
auf den Spuren der Hugenotten
Am 11. Juli trafen sich Mitglieder unserer Ortsgruppe zu einer Besichtigung von Bad Karlshafen, im Länderdreieck Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, ist der nördlichste Zipfel Hessens, an der Weser und Diemel Einmündung gelegen. Warum Bad Karlshafen? Der Grund unseres Besuches war, mehr über die Hugenotten (protestantische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich) zu erfahren. Unser Stadtführer hat uns mit großem Engagement und mit vollem Herzen durch die Geschichte der Stadt geführt.
Im Jahr 1699 fand die Grundsteinlegung von Sieburg (ursprünglicher Name) statt. Gründer war Landgraf Carl, der nach dem Dreißigjährigen Krieg die Wirtschaft wieder ankurbeln wollte. Er holte die in Frankreich verfolgten protestantischen Hugenotten und bot ihnen mit seiner Freiheitskonzession Zuflucht. Der Grund, warum die Stadt ausgerechnet in einem Gebiet, welches sumpfig, mitten im Moor lag, das 50 km von seiner Residenz in Kassel entfernt war, gebaut wurde, war einfach zu erklären. Es waren wirtschaftliche Gründe. Die Stadt Hannoversch Münden besaß das sogenannte Stapelrecht. Alle Waren wurden auf dem Wasserweg von Bremerhaven zunächst dorthin geliefert, erst dann konnten Städte wie Kassel sie gegen hohe Gebühren erwerben. Viele Waren, wie das Porzellan aus England für den Landgrafen, wurde verkauft und kam demzufolge nie an. Deshalb baute Landgraf Carl einen Hafen mit einem Schleusenkanal zur Weser, mit dem Plan einen Kanal über Kassel bis zum Rhein zu bauen. Dieses Vorhaben wurde 1730 nach dem Tod von Carl gestoppt. Jedes Haus der Stadt wurde auf 30 Baumstämmen errichtet. Die Architektur folgte einem klaren Konzept, nach dem französischen Vorbild – Versailles. 1717 wurde der Kanal Richtung Trendelburg eingeweiht, Landgraf Carl nahm an der Einweihung teil und erklärte, ich habe diese Stadt gründen lassen, ab sofort heißt sie Carlshafen.
Diese Flüchtlinge waren ein großer Gewinn für die Region, da viele Handwerker unter ihnen zu finden waren, die sich hier niederließen und ihr Handwerk ausübten. Eine gelungene Eingliederung von Menschen, auf der Suche nach einer neuen Heimat.
1730 entdeckte der hugenottische Arzt Galland die erste Solequelle, die zur Salzgewinnung genutzt wurde. Die Sole wurde über große Gradierwerke geleitet, wobei durch Wind- und Sonneneinwirkung das Wasser verdunstete. In der Saline wurde die Sole erhitzt um Kochsalz zu gewinnen. 1835 trat Hessen dem Zollverein mit Preußen bei, wodurch die Salzgewinnung eingestellt wurde, um die norddeutschen Solevorkommen zu unterstützen.
Nach Einstellung der Salzgewinnung kam der Gedanke auf, die heilkräftige Sole zur Heilbehandlung von Menschen einzusetzen, die an Asthma, Rheuma, Ischias und Bronchitis erkrankt waren.1838 wurde das erste Badehaus errichtet, 1955 wurde Karlshafen als Sole-Heilbad anerkannt und am 27. Mai 1977 wurde der Stadt der Titel „Bad“ verliehen. Diese Maßnahmen brachten der Stadt neuen Aufschwung. 2004 wurde eine neue Solequelle erschlossen. Aus 1.150 m Tiefe sprudelt diese Quelle mit ca. 23 % Salzgehalt und einer Vielzahl von gelösten Mineralstoffen. Im gleichen Jahr wurde die Weser-Therme eröffnet.
In Karlshafen findet man das „Deutsche Hugenotten-Museum“, Hier erfährt man ein Stück Jahrhunderter alter Integrationsgeschichte, sicherlich einen Besucht wert, ein Grund zum Wiederkommen.
Da die vielen Geschichten, Besichtigungen und das Stadtwandern bekanntlich hungrig machen, gab es im Anschluss ein gemeinsames Mittagessen und am Nachmittag konnten wir uns bei einer Schiffsrundfahrt wunderbar entspannen, erholen und das Erlebte so wie die Landschaft an uns vorbeiziehen lassen.
Ein informativer Tag, an dem wir viel Neues und Spannendes gehört und gesehen haben.