Wir erfuhren die Entstehung und Geschichte Kassels in ziemlicher Ausführlichkeit durch unseren Museumsführer: Am 18. Februar 913 unterzeichnete König Konrad I. im damaligen Chassalla oder Chassella zwei Urkunden – die ersten schriftlichen Belege für die Existenz Kassels. 1277 machte Landgraf Heinrich von Hessen Kassel zu seiner Residenz, dadurch gewann die Stadt an wirtschaftlicher Bedeutung. Im 16. Jahrhundert hatte Kassel etwa 5000 Einwohner, Landgraf Philip setzte sich besonders für den Protestantismus ein und baute seine Hauptstadt zu einer starken Festung aus. 1685 kamen infolge der Hessischen Freiheitskonzession durch Landgraf Karl die Hugenotten, protestantische Flüchtlinge aus Frankreich und der Schweiz nach Kassel und vor den Toren der Stadt entstand ein neuer Stadtteil, die Oberneustadt. Dieser Landgraf hat sich durch bis heute erhaltene Baudenkmäler einen Namen gemacht, nämlich das barocke Orangerieschloss mit dem großzügig angelegten Park Karlsaue und dem heutigen Weltkulturerbe, dem Bergpark Wilhelmshöhe mit der Herkulesstatue auf dem 71 Meter hohen Oktogon und dessen Wasserspiele. Bereits ab 1767 wurden die Festungsanlagen eingeebnet, nachdem sie eine Ausdehnung der Stadt verhinderten.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde von Landgraf Wilhelm IX. von Hessen Schloss Wilhelmshöhe erbaut in dem heute eine weltberühmte Gemäldegalerie zig Besucher aus aller Welt anlockt. Viele kunstsinnige und gebildete Landgrafen legten den Grundstock für Kassels Museen, Theater und Kunstakademie sowie technische Hochschule.

Von 1807 bis 1813 war Kassel Hauptstadt des Königreichs Westphalen unter Jérome Bonaparte, dem Bruder Napoleons.

Im 19. Jahrhundert erreichte die Industrialisierung auch Kassel und die Stadt wurde schnell größer durch Firmen wie Henschel (Lokomotivbau und Rüstung). Hier befinden sich im 2. Und 3. Stock viele Bilder und Exponate aus dieser Zeit. Die ersten Fotografien, der erste Filmapparat (ein Ungetüm). Und damit sind wir im 20. Jahrhundert angekommen.

Ein großer Raum wird beherrscht durch einen maßstabsgerechten Nachbau des im 2. Weltkrieg zerstörten Kassel, der Luftangriff am 22. Oktober 1943 zerstörte die historische Innenstadt (Altstadt, Ober- und Unterneustadt) fast vollständig. 444 Flugzeuge warfen innerhalb von 22 Minuten 416.856 Brandbomben ab und weitere 594 Sprengbomben sowie 288 Luftminen. 80 % der Häuser wurden zerstört, tausende Menschenleben waren zu beklagen, ein Feuersturm tobte durch die Gassen, der Feuerschein war noch in 50 km Entfernung zu sehen. An einer Wand in diesem Raum sind die Bomben aufgemalt, eine dicht neben der anderen.

Wenn man sich das anschaut kommt man schon sehr ins Nachdenken. Ich erinnere mich, dass vor vielen Jahren der Satz „nie wieder Krieg“ im Umlauf war, das scheint leider total aus den Gedächtnissen vieler Zeitgenossen verschwunden zu sein.

In der Nachkriegszeit begann der Wiederaufbau in den 1950er Jahren, Kassel erfand sich neu, viele Gebäude wie z.B. das wunderbare Barocktheater wurden einfach gesprengt, 1955 fand die erste documenta statt und Kassel wurde zur Welthauptstadt der modernen Kunst.

Exponate aus der Nachkriegszeit, u.a. die Frankfurter Küche, Vorläufer der heutigen Einbauküche geben Zeugnis einer neuen Zeit. Wer erinnert sich nicht an den Rührfix, mit dem die Hausfrau bequem die Sonntagsschlagsahne rühren konnte. Selbst das Auto BMW Isetta ist zu besichtigen – eine Fundgrube für Nachkriegskinder. All dies gibt es zu besichtigen. Ein interessanter Besuch des Stadtmuseums, der zum Wiederkommen einlädt.

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Datum

8. Mai 2026

Lesezeit

3 Minuten

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